Einsatz 

 für 

 Straßentiere 

Katzenkastrationen im Rhein-Sieg-Kreis

 

Das Leid von freilebenden Katzen in Deutschland ist ebenso groß wie in anderen Ländern Europas. Etwa zwei Millionen herrenlose Katzen soll es schätzungsweise auf Deutschlands Straßen geben – die meisten von ihnen in einem elenden Zustand: krank, abgemagert und verwahrlost. Nur wenige haben das Glück von Tierfreunden versorgt zu werden. 

Jedes Jahr aufs Neue stehen Tierschützer hilflos einer wahren Schwemme von Katzennachwuchs gegenüber. Niedliche kleine Katzenwelpen mit Kulleraugen und weichem Fell. Doch so niedlich sie auch aussehen, viele von ihnen habe keine Chance jemals ein Zuhause zu finden. Es sind einfach zu viele. Viele der Katzenbabys landen im Tierheim, weniger glückliche werden erschlagen oder ertränkt. Leider ist diese Art der Problembeseitigung v.a. im ländlichen Raum noch immer Gang und Gebe. Doch das Problem ist nicht damit gelöst, Katzenkinder zu „beseitigen“. Denn solange erwachsene Katzen nicht kastriert werden, werden jedes Jahr wieder neue Katzenwelpen geboren.

Eine Katze kann zweimal pro Jahr tragen und jeweils vier bis sechs Junge zur Welt bringen. Zwar werden Katzen, die jedes Jahr Nachwuchs bekommen nicht so alt wie kastrierte Tiere, aber selbst wenn man von einem Höchstalter von nur fünf Jahren ausgeht, kann die Katze in ihrem Leben 40 bis 60 Junge gebären. Nach sechs Monaten sind auch die Kleinen geschlechtsreif und vermehren sich wieder – somit entsteht nach nur einem Katzenleben eine Population, die nicht mehr überschaubar ist.

Viele Katzenhalter wissen das, trotzdem wird längst nicht jede Katze, geschweige denn jeder Kater kastriert. Die Gründe sind schwer nachvollziehbar. Viele Katzenbesitzer meinen, ihre Katze sollte zumindest einmal im Leben Junge bekommen haben. Das fördert aber weder die Gesundheit, noch die Lebensqualität der Katze, es handelt sich dabei vielmehr um den Wunsch der Menschen nach niedlichen Tierbabys. Leider bleiben diese aber nicht klein und am Ende wird es schwer, die Tiere unterzubringen. Zusagen von Privatpersonen lösen sich nach genauerem Nachdenken doch schnell in Luft auf und die Tiere landen allzu oft im Tierheim.

Größere Ausmaße bekommt das Problem durch verwilderte Katzen, die ausgesetzt oder zurück gelassen wurden und zum Großteil nicht kastriert sind. Diese Tiere vermehren sich völlig unkontrolliert so, dass aus wenigen ausgesetzten Tieren schnell eine große Population verwilderter Straßenkatzen werden kann. Allein in Deutschland, in einem Land, in dem vergleichsweise wenige Straßentiere leben, gibt es schätzungsweise 2 Millionen verwilderte Katzen. Tierschützer versuchen an vielen Stellen, die Tiere einzufangen und zu kastrieren, doch vermittelt werden können sie nur in seltenen Fällen, denn wilde Hauskatzen bauen als erwachsene Tiere nur schlecht ein Verhältnis zum Menschen auf. Die frei lebenden Katzen vermehren sich natürlich nicht nur untereinander, sondern paaren sich auch mit gut gepflegten Freigängern aus Privathaushalten. Vor allem Kater werden von Privatpersonen oft nicht kastriert, da sie naturgemäß den Nachwuchs nicht mit nach Hause bringen und so das Problem auf der Straße bleibt.

In vielen Gemeinden und Städten in Deutschland gilt bereits eine Katzenkastrationspflicht für Freigänger. Als erste Stadt in Deutschland hat Paderborn im Jahr 2009 eine Kastrationspflicht für Freigänger eingeführt. Viele andere Städte und Gemeinden folgten, aber eine bundesweite Vorgabe lässt bisher auf sich warten. Eine länderübergreifende Regelung, die auch vorsieht, dass alle Freigängerkatzen Katzen gechipt und registriert werden, wäre ein wichtiger Schritt zur Lösung des Problems. Denn nur so kann auch kontrolliert werden, ob die Halter ihrer Verpflichtung nachkommen. Leider sind die meisten Städte und Gemeinden weit von einer Durchsetzung der Kastrationspflicht entfernt.Diese Pflicht zu verhängen ist seitens der Gemeinden und Städte ein wichtiges Zeichen um langfristig das Leid von freilebenden Katzen zu verringern. Nur wenn alle Katzen, die die Möglichkeit haben nach draußen zu gehen oder dauerhaft draußen leben, kastriert sind, reduziert sich die Population an freilebenden Katzen.

Auch im Rhein-Sieg-Kreis, wo Hof Huppenhardt, die Hauptgeschäftsstelle des ETN, seinen Sitz hat gilt seit Juli 2017 die Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für alle Freigängerkatzen. Halter von Freigängerkatzen, die dieser Pflicht nicht nachkommen, droht eine Geldbuße von bis zu 1.000 Euro. Dennoch steigt die Zahl der frei lebenden Katzen auch hier weiter an. Der Grund ist einfach: selbst wenn jeder Halter seiner Pflicht nachkommen würde sein Tier kastrieren zu lassen, gäbe es immer noch viele Katzen, die keinen Halter haben. Bei diesen Katzen kümmert sich keiner um die Kastration, da ja auch niemand belangt werden kann. Auch die Städte und Gemeinden sehen sich nicht in der Pflicht. Und so vermehren die Katzen sich immer weiter.

Im Rhein-Sieg-Kreis gibt es schätzungsweise 10.000 halterlose Katzen. Katzen, die in den ländlichen Gemeinden irgendwann mal ausgesetzt wurden, weggelaufen sind oder durch ihre Halter nicht mehr versorgt wurden und nach und nach verwilderten. Und genau diese Katzen gilt es zu kastrieren, denn sonst erwartet sie und ihre Nachkommen ein Leben voller Hunger, Krankheit und Leid. Aus diesem Grund hat der ETN entschieden sich in Zukunft stärker für diese Tiere, für die sich sonst keiner zuständig fühlt, einzusetzen.

Dafür finden in der Region um Hof Huppenhardt Kastrationsaktionen statt. In Kooperationen mit anderen Katzenfreunden werden herrenlose Katzen gefangen, kastriert, gegebenenfalls medizinisch versorgt, gekennzeichnet und wieder in ihrem Revier ausgesetzt. Anschließend sorgen wir dafür, dass sie dauerhaft mit Futter versorgt werden. So wollen wir nachhaltig das Leid der Streuner beenden. 

 

Europäischer Tier- und Naturschutz e. V.
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