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 Exotische Tiere 

Widerliches für den Weißbauchigel

Weißbauchigel – die neuen Stars am Instagramhimmel

„Zwischen all den ernsten Dingen, die jeden Tag in der Welt geschehen, sind Mr. Pokee und seine Familie hier, um euch einen Grund zu geben, glücklich zu sein und zu lächeln. Wann immer du auf unsere Seite zurückkehrst, möchten wir dich daran erinnern, niemals den Glauben zu verlieren und immer deinem Herzen zu folgen.”

So lautet die blumige Beschreibung der Website von “Mr. Pokee”, einem sogenannten Weißbauchigel. Betrieben wird seine Webseite von seiner Besitzerin, einer jungen, attraktiven und sympathisch wirkenden Frau aus Deutschland.

Der dazugehörige Instagram-Account zählt 1,8 Mio. Abonnenten. Auf diesem werden niedliche Fotos gezeigt, die ihren Zweck – die Leute glücklich zu machen – bestens zu erfüllen scheinen, wie zahlreiche Kommentare bezeugen:

“Hey! Danke, dass du jeden Tag dafür sorgst, dass es mir besser geht! Mir ist immer danach zumute, mich umzubringen, aber du bringst mich zum Lächeln und veränderst meine Stimmung!” kommentiert etwa eine Nutzerin unter einem Foto, auf dem der Igel eine winzige Wollmütze in die Luft zu werfen scheint, während er in der Hand seiner Besitzerin ruht. Wie viele Aufnahme wohl notwendig waren, um dieses perfekte Timing (Mütze in der Luft) hinzubekommen?

Unter einem anderen Bild, das den Igel quasi als “Eiskugel” in einer Eiswaffel zeigt, schreibt eine Nutzerin: “ Ich wurde von meiner Angst überwältigt, aber dein Account ist die Dosis an Fröhlichkeit, die mein Herz gebraucht hat.”. Ob es dem Igel gefällt, in eine Waffel gestopft zu werden, ist mehr als fraglich.

Wem die Fotos nicht genug sind, kann auf Mr. Pokees Website allerlei Merchandise erwerben: Postkarten, Magneten und – passend zu Corona – sogar Masken.

Mr. Pokee ist kein Einzelfall. Mittlerweile gibt es viele Webseiten, die Weißbauchigel in “niedlichen” Posen zeigen, in Kostüme gesteckt oder mit “lustigen” Accessoires ausgestattet.

Dabei ist der Igel ein Wildtier, für das ein solch zahmes Verhalten nicht tiergerecht ist.  

Da sie unter Naturschutz stehen, ist ihre Haltung in Deutschland nach dem Bundesnaturschutzgesetz verboten. Davon ausgenommen ist lediglich besagter “Weißbauchigel”. Dabei handelt es sich um eine besonders kleine Igelart (nur 14-25 cm), die in Afrika südlich der Sahara beheimatet ist und, wie der Name vermuten lässt, einen weißen Bauch besitzt.  

Doch “erlaubt” heißt lange noch nicht “geeignet”!

Aufgrund ihrer Herkunft benötigen sie zum Überleben warme Temperaturen von 20-25° C. Wie auch heimische Igel sind sie zudem sehr aktiv und haben einen großen Bewegungsradius.

Eine Haltung, die sowohl den Temperaturanforderungen, als auch dem benötigten Auslauf entspricht, ist kaum vorstellbar. Hält man den Weißbauchigel im Haus bzw. in der Wohnung, ließen sich “theoretisch” die 20-25°C erreichen. Doch wer bitte hält seine Heizung auf dieser konstant kuscheligen Temperatur, sogar nachts und im Sommer? Um dem Weißbauchigel den benötigten Auslauf zu verschaffen, müsste man schon einen Palast besitzen. Entscheidet man sich hingegen dafür, den Weißbauchigel draußen zu halten, würde dieser vermutlich nicht lange überleben, wenn man bedenkt, dass selbst im Hochsommer die Nachttemperaturen zumeist deutlich unter 20 Grad liegen, natürlich ganz zu schweigen von der Kälte zu anderen Jahreszeiten.

Aus diesen Gründen raten auch zahlreiche Tierschutzverbände sowie Tierärzte dringend von einer Haltung ab.

Doch nicht nur für die durch den Heimtierhandel mittlerweile bedrohte Igelart, auch für die Besitzer*innen ist das Halten eines Weißbauchigels als Haustier nicht so süß wie gedacht:

Igel verlieren Stacheln. Dass man sich freut, regelmäßig in ausgefallene Igelstacheln zu treten, ist wohl kaum denkbar.

Im Gegensatz zu heimischen Igeln hält der Weißbauchigel zwar keinen Winterschlaf, kann jedoch genau andersrum eine “Ruhephase” während der Sommerzeit einlegen. Dadurch “hat man wenig” von seinem Weißbauchigel, denn selbstverständlich darf er während der Ruhezeit nicht gestört werden!  

Wen das noch nicht überzeugt hat: Igel lieben Insekten und Co. Das heißt, dass Zuhause ständig ein Vorrat derjenigen Tiere gelagert werden muss, die bei den meisten Menschen die vordersten Plätze der “Top 10 Ekeltiere” belegen: Mehlwürmer, Regenwürmer, Käfer, Schnecken oder Heimchen.

Also: Wer sich einen (Weißbauch-)Igel zulegen möchte, sollte nicht weder zart besaitet, noch auf einen Spielkameraden rund um die Uhr aus sein. Ganz abgesehen von steigenden Kosten und reduzierten Nerven.

 

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Bild: shutterstock.com / Raycocar

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