Einsatz 

 für 

 Exotische Tiere 

Slow Motion Sprünge in die Massengefangenschaft

 

Videos von Kurzkopfgleitbeutlern – oder einfacher: Sugar Glidern – kennen wir wohl alle: Da sitzt ein süßes kleines Tier mit großen Kulleraugen auf einer Türkante, setzt zum Sprung an und erhebt sich Richtung Kamera in die Lüfte. Plötzlich streckt es Arme und Beinchen aus und breitet seine Flugmembran aus und gleitet so elegant auf die Hand des Menschen, der die Kamera hält. Verstärkt wird der Wow-Effekt durch die Slow Motion, die den Sprung dieses extrem süßen Tieres mit den Kulleraugen noch eindrucksvoller machen.

So eins will ich auch! Liest man in den Kommentaren zuhauf – und auf Worte folgten Taten.

Denn Sugar Glider sind echte Trendtiere. Dass der Markt mit ihnen auch in Deutschland prächtig floriert, zeigt, dass die kleinen Beuteltiere sogar schon in den Haustierberater-Portalen des Bundeslandwirtschaftsministeriums auftauchen – ein völlig falsches Signal.

Denn: Sugar Glider sind keine Haustiere!

Sicher, sie sind klein, und süß auch noch, außerdem ohne Probleme zu erwerben. Was kann da also schon falsch dran sein, sich so ein süßes und doch besonderes Haustier anzuschaffen?

Kurzkopfgleitbeutler kommen aus den Tropenwäldern Australiens und Neuguineas, und sind, wie so viele der so beliebten Exoten, nachtaktiv. Daher die tollen großen Kulleraugen. Sie sind zwar klein, haben aber einen sehr hohen Bewegungs – und Beschäftigungsbedarf. Die winzigen Beuteltiere können bis zu 60 Meter dank ihrer Flugmembran mit einem Sprung überwinden! Und sie sind extrem sozial – in freier Wildbahn leben Sie in Gruppen von bis 12 Tiere zusammen und unterhalten dann Reviere von ca. 0.5 Hektar.

Bei Haltungsempfehlungen, die Käfige von 2 Quadratmeter Grundfläche und 2.5 Meter Höhe für eine Sugar Glider-Voliere vorgeben, muss mit dem Wissen jedem klar sein, dass das nicht artgerecht sein kann. Zudem die Tiere Nahrungsspezialisten sind, die sich von Baumsäften, Nektar und Insekten ernähren.

Schon gewusst? Sugar Glider stinken.

Doch die Haltung von Sugar Glidern ist auch für unbedachte Menschen nicht so wunderbar, wie es sich oft vorgestellt wird. Denn, so süß sie sind, tun Sugar Glider vor allem auch eins: Sie stinken.

Die Tierchen schlafen tagsüber in ihren Nestern, die sie unter anderem mit der Hilfe von Urin gebastelt haben. Lecker. Beide Geschlechter haben zudem diverse Drüsen, mit denen sie ihr Territorium ausgiebig markieren. Und das riecht man. Hinterherputzen bringt nicht allzu viel, da die Tiere sich dann erst recht animiert fühlen, ihre Duftmarken zu hinterlassen. Die Sekrete führen bei Menschen übrigens gerne zu Hautirritationen.

Doch die Tiere riechen nicht nur streng, sie sind auch recht laut - denn sie kommunizieren über laute Kreischgeräusche. Und zahm kriegt man sie auch nicht wirklich – denn sie sind nun mal Wildtiere und keine schon lange domestizierten Tiere wie Katzen oder Hunde! Und plötzlich sind die possierlichen Tierchen gar nicht mehr so süß, wie sie in den Videos wirken.

Dass die Anzahl der Sugar Glider in Gefangenschaft trotz der offenkundigen Nachteile zugenommen hat liegt wohl auch daran, dass die Tiere sich wahnsinnig schnell vermehren. Mit nur wenigen Monaten sind die Tiere geschlechtsreif, und nach nur 16 Tagen Tragezeit bringt das Weibchen bis zu drei Jungtiere zur Welt. Der nächste Wurf kann schon nach wenigen Monaten erfolgen. Immer wieder gibt es Berichte von Halter*innen, die sich sicher waren, nur Weibchen oder Männchen zu halten – so wie es der Verkäufer behauptet hat. Bald wurden sie eines Besseren belehrt. Und dann – wohin mit all den Tieren?

Es folgt ein unbedachter Handel mit Tieren, der wie zu oft dazu führt, dass Tiere in unsachgemäßer Haltung enden, in der sie durch falsche Haltungsbedingungen und Ernährung elendig dahinvegetieren, krank und verhaltensgestört werden. Durch zunehmende Züchtung von schicken Farbvarianten steigt außerdem die Wahrscheinlichkeit, dass sich hier kränkliche Tiere entwickeln und die Population an genetischer Diversität verliert.

Und das, obwohl die Tiere in freier Wildbahn zunehmend durch massive Habitatverluste bedroht sind, und ihre genauen Bedürfnisse nicht ausreichend erforscht sind. Auch hier gilt: Jeder, der sich einen Sugar Glider als Haustier anschafft, muss sich bewusst sein, dass er Tierleid und die Gefährdung von Arten unterstützt - und welche*r Tierfreund*in will das schon?

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Bild: apiguide / shutterstock.de

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