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 Exotische Tiere 

Rennmäuse als Haustier - Probleme, wohin man schaut!

Wenn man in die Google-Suchleiste das Stichwort “Rennmaus” eingibt, richten sich die ersten Ergebnisse sofort an Rennmaushalter. Es werden zahlreiche Tipps zur richtigen Haltung und Pflege gegeben.

Doch dies sendet ein ganz falsches Signal, denn Rennmäuse eignen sich keinesfalls als Haustiere (genauso wenig wie übrigens auch Ratten und Hausmäuse)! Warum das so ist? Hier ist die Antwort:

Der Rennmaus kann zum Ausleben ihrer sozialen Bedürfnisse in einer menschlichen Haltung in keinem Fall genug Platz gegeben werden. Da Rennmäuse soziale Tiere sind, ist Einzelhaltung absolut tabu. Auf der anderen Seite jedoch zeichnen sich Rennmäuse durch eine starkes Revierverhalten aus. Dies bedeutet, dass der Platz, den eine Rennmaus für sich beansprucht, aggressiv gegen “Eindringlinge”, auch unliebsame andere Rennmäuse verteidigt wird. Doch damit nicht genug: Rennmäuse haben eine strenge Gruppenhierarchie, das heißt, dass klar geregelt ist, wer über wem steht und wer somit z. B. zuerst fressen darf. Diese Hierarchie wird oft neu ausgehandelt, z. B. durch gegenseitiges Boxen, Kopf herunterdrücken und Nachjagen der Tiere untereinander. Es handelt sich dabei nicht um Dinge, die theoretisch mal vorkommen könnten, sondern um Dinge, auf die sich jeder künftige Rennmaus-Halter unbedingt einstellen muss! Und damit scheidet die Rennmaus für Kinder, die nicht eines Morgens in einen Käfig schauen möchten, in denen sich die Mäuse gegenseitig verletzt oder sogar getötet haben, völlig aus.

Dieses Verhalten kommt selbstverständlich auch in der Natur vor, doch dort können sich die einzelnen Rennmäuse aus dem Weg gehen. In Gefangenschaft - im Gitterkäfig oder im Terrarium - ist dies aber nicht möglich. Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie mit einem verhassten Menschen zusammen in einem Raum eingesperrt wären?

Rennmäuse lieben es außerdem, unterirdische Höhlen zu graben, die durch ein Tunnelsystem miteinander verbunden sind. Ob in Gefangenschaft tatsächlich genug Platz und Buddelmaterial für jedes Gruppenmitglied vorhanden ist und sich die einzelnen Rennmäuse dabei nicht in die Quere kommen, ist aber mehr als fraglich.

Da Rennmäuse ihrem Namen entsprechend zudem natürlicherweise ständig hin- und herflitzen und extrem agil sind, wird versucht, durch ein im Käfig aufgestelltes Laufrad diesen Bewegungsdrang zu befriedigen. Das ist so, als würde man Menschen, die lange Radtouren in die Natur lieben, nun dazu zwingen, für immer auf den Hometrainer umzusteigen.

Doch nicht nur das Rennen in der freien Natur bereitet den Nagern viel Freude. Auch Klettern tun die Kleinen für ihr Leben gern; dies zeigt alleine schon das Vorhandensein ihres langen Schwanzes, der der Balance dient. Der Schwanz ist ungefähr so lang wie der gesamte restliche Rennmaus-Körper! In einem kleinen Käfig genügend Klettermöglichkeiten unterzubringen, ist jedoch schlicht und ergreifend nicht möglich.

Bei gemischtgeschlechtlicher Haltung müssen Rennmäuse außerdem unbedingt kastriert werden. Bereits nach ca. zwei Monaten sind die Jungtiere geschlechtsreif und bringen pro Paar etwa fünf bis sechs Nachkommen zur Welt. Diese bringen nach weiteren zwei Monaten ebenfalls wieder fünf bis sechs Nachkommen zur Welt und so weiter. Wie schnell also aus einem kleinen Grüppchen eine riesige Familie werden kann, kann sich jeder vorstellen. Kastrationen sind allerdings oft problematisch: Zum einen deshalb, weil das Narkosemittel bei diesen winzigen Tieren nicht sicher dosiert werden kann, man bringt also die kleinen Nager in Lebensgefahr. Und zum anderen, weil die anderen Gruppenmitglieder die kastrierte Maus nach dem Eingriff manchmal aus der Gruppe ausschließen. Und auch das kann im schlimmsten Fall zum Tod der kastrierten Maus führen.

Zu beachten ist weiterhin, dass die Rennmaus einen sehr außergewöhnlichen Schlafrhythmus besitzt: Jeweils 2-3 Stunden ist sie wach, dann wird wieder 2-3 Stunden geschlafen und so weiter. Dies bedeutet für den Rennmaushalter: Nachts, wenn der Mensch schläft und vielleicht am nächsten Tag früh aufstehen muss, wird im Käfig munter gescharrt, gequiekt, gekämpft und das Laufrad wird quietschend betätigt. Mäuse können natürlich keine Rücksicht nehmen.

Wenn umgekehrt die Maus tagsüber schläft, muss der Mensch dies jedoch tun, denn die Maus kann ihm nicht entkommen; sie ist eingesperrt und ihm daher ausgeliefert! Gerade für Kinder dürfte diese Rücksichtnahme jedoch schwierig sein.

Ohnehin schon - auch während der Wachphasen- erschrecken sich Rennmäuse äußerst leicht durch Geräusche.

Dabei ist zu beachten, dass Rennmäuse ein so feines Gehör besitzen, dass sie hohe Frequenzen wahrnehmen, die wir Menschen längst nicht mehr hören. Dadurch kann die Maus leicht einem Dauerstress ausgesetzt sein, dessen Ursache der Mensch naturgemäß nicht wahrnehmen und dem die Maus aufgrund ihrer Gefangenschaft nicht entfliehen kann. Und zu viel Stress macht nicht nur Menschen krank.

Für beide Seiten - für Mensch und Maus - ist eine Haltung also auf keinen Fall zu empfehlen! Denn die Bedürfnisse der kleinen Tiere kann ein Mensch unmöglich erfüllen.

 

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Foto: shutterstock / Jearu

 

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