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Brieftaubensport


Ein mörderisches Hobby

Brieftaubensport wird als traditionelles Hobby bezeichnet, in Wirklichkeit ist es eine gewinn- und prestigebringende Tierquälerei. Tierschützer prangern seit Jahren die tierquälerischen Methoden der Züchter, die mörderischen Wettflüge und die Tötungen von Tauben im Rahmen einer „Leistungsselektion” an.

Eine Taube versucht aus beliebigen Entfernungen in ihren Heimatschlag (nicht zum Menschen!) zurückzufinden. Dieser Heimkehrtrieb und das Heimfindevermögen der Taube wurden schon sehr früh vom Menschen im Rahmen von Wettflügen genutzt.

„Brieftaubensport” in Deutschland bedeutet, dass laut des Verbandes Deutscher Brieftaubenzüchter 58.000 Züchter in ca. 7.000 Vereinen mehrere Millionen Tauben in Verschlägen halten, um sie von Frühjahr bis Sommer mehrere hundert Kilometer zu bestimmten „Auflass”orten zu transportieren, von wo aus sie zum Flug in den heimatlichen Schlag genötigt werden. Die Strecken, welche die Tauben bei diesen Wettflügen zurücklegen müssen, sind immer größer geworden – mittlerweile bis zu 1.000 km. Diese Leistungen bringen dem Halter Anerkennung, Auszeichnungen, Pokale, Geld-Preise und beim Verkauf der erfolgreichen Taube zur Zucht einen finanziellen Gewinn. Fünfstellige Beträge sind keine Seltenheit. Die Rechnung aber bezahlen die Tauben. Viele bleiben bei diesen Wettflügen „auf der Strecke”, andere werden aufgrund mangelnder Leistung getötet. Die Verluste bei Wettflügen können bis zu 30 % betragen. Hunderttausende von Tauben gehen jährlich elendig zugrunde oder stranden in unseren Städten und verbleiben dort.

Leistung durch Selektion

Die Zucht der Tauben erfolgt durch rigorose „Selektion” der Nestlinge und Jungtauben. Selektion heißt Auslese durch Tötung der ungeeigneten, nicht den Leistungsanforderungen entsprechenden Tiere.

Um die Tiere zu Hochleistungen zu bewegen, werden tierquälerische Methoden angewendet, u.a. durch „psychische Motivation”. Grundlage ist Treue der Taubenpaare zueinander bzw. zu ihren Kindern/Nestern.

So werden Taubenpaare voneinander oder die Eltern von ihren Gelegen/Nestern getrennt. Die Tiere mobilisieren nun ihre ganzen Kräfte, um vom weit entfernten „Auflass”ort in den Schlag und zu ihrem Partner bzw. den Taubenkindern zurückzukehren. Die Praktiken der Brieftaubenzüchter stellen einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dar: § 1 – Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen; § 3 – Verbot, einem Tier Leistungen abzuverlangen, denen es nicht gewachsen ist; § 17 – Verbot, ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund zu töten.

Nicht in der Kritik: Die tierlieben Taubenhalter

Es gilt jedoch zwischen Brieftaubenzüchtern und tierlieben Taubenhaltern zu differenzieren. Es gibt Menschen, die Tauben halten, weil sie die Tiere lieben. Meist nehmen sie sich auch der verletzten Brief- und Stadttauben an und fungieren als „Auffangbecken” für die Tauben, die von den Züchtern nicht mehr gewollt sind. Grundsätzlich betrifft die Kritik die Taubenhalter, die Tauben züchten, sie auf Leistung trimmen und töten.

Aus Brieftaube wird Stadttaube

Nicht alle erschöpften Tauben sterben auf den Wettflügen oder werden von Tierschützern aufgenommen. Immer wieder verbleiben Brief- und auch Zuchttauben in den Städten und schließen sich dort den „Stadttaubenpopulationen” an. Tierschützer fordern, dass diese Tieraussetzung von Brieftauben durch Wettflüge und die damit verbundene Zuwanderung in die Städte endlich unterbunden wird. Tierschützer stützen ihre Forderungen auf praktische Erfahrungen vor Ort sowie auf offizielle Stellungnahmen. So erklärt die Landesanstalt für Umweltschutz, Baden-Württemberg, 1995: „Den stärksten Anteil am Zuflug unserer Stadttaubenschwärme haben heute verirrte und erschöpfte Brieftauben. Dies ist alleine schon in der großen Zahl, aber auch der Streuung der verflogenen Tiere begründet.” Die Tierärztliche Hochschule Hannover schreibt 1995 in einer Veröffentlichung: „Diese Stadttauben sind entflogene Haus- oder Rassetauben und ausgebliebene Brieftauben sowie deren Nachkommen.”

Was tun, wenn Sie eine verletzte oder erschöpfte Brieftaube finden?

Grundsätzlich sollten verletzte Tiere zum Tierarzt gebracht oder örtlichen Tierschutzgruppen gemeldet werden. Der Tierarzt berechnet die Versorgung eines Fundtieres normalerweise nicht, denn für die Unterbringung und Versorgung von Fundtieren müssen laut BGB die Gemeinden aufkommen. In der Praxis funktioniert das leider nicht immer so reibungslos, da viele Städte und Gemeinden Fundtauben kurzerhand als herrenlose Stadttauben deklarieren, für die sie dann nicht mehr aufkommen müssen. 
Erschöpften Tauben hilft man schon, indem man den Tieren Wasser und Körnerfutter (Erbsen, Mais, Darisaat und Gerste) reicht. Wenn Sie des Tieres habhaft werden, sollten Sie es Tierschützern übergeben. Brieftauben haben an ihrem Fuß einen Ring, auf dem eine Nummer auf den Besitzer und die Herkunft verweist. Deutsche Brieftauben müssen zusätzlich mit einer Telefonnummer des Halters gekennzeichnet sein.

Problematisch bleibt die Unterbringung der Tauben, da Züchter die Tiere oft nicht zurücknehmen oder sie den Tieren bei der Zurücknahme den Hals umdrehen. Ein Desaster, da die Aufnahmekapazitäten für Brieftauben im Tierschutz oft ausgelastet sind, man die Tiere aber nicht dem Tod überantworten möchte. Hier kann langfristig nur eine gesetzliche Begrenzung der Zucht Abhilfe schaffen.

Europäischer Tier- und Naturschutz e. V.
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