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Gift/Gefahrtiergesetz NRW – ETN betont, dass Zoonosen mitgedacht werden müssen

 Gift/Gefahrtiergesetz NRW – ETN betont, dass Zoonosen mitgedacht werden müssen

Im August 2019 ist einem Halter in Herne eine giftige Monokel-Kobra entwichen und konnte erst nach mehreren Tagen und mit großem öffentlichen Einsatz und unter hohen Kosten wieder eingefangen werden. In Folge dessen setzte eine Diskussion zum Thema Gefahrtierhaltung ein, die rasch zu verschiedenen Gesetzentwürfen führte. Am 18.03.20 sollte nun eine Anhörung zu dem Thema im Landtag NRW stattfinden.

Dr. Melanie Seiler, Geschäftsführerin des Europäischen Tier - und Naturschutz e.V. (ETN), wurde als Expertin zu dem Thema gebeten, eine Stellungnahme abzugeben. Der ETN begrüßt in seiner Stellungnahme grundlegend die Einführung eines Gefahrtiergesetzes in NRW, rät aber dazu, eine Haltung von exotischen Tieren grundlegend nicht zu gestatten.

Seiler kritisiert, dass in der Debatte um das Gefahrtier- bzw. Gifttiergesetz in NRW das Gefährdungspotential, dem Menschen durch Wildtiere ausgesetzt sind, auf physiologische Aspekte (Gift, Beißkraft) reduziert wird. Doch Zoonosen - Krankheiten, die zwischen Tier und Mensch übertragen werden können - dürfen nicht unbedacht bleiben, wenn man die Sicherheit der Menschen im Sinn hat, so Seiler.

Der Coronavirus, der derzeit weltweit das öffentliche Leben bestimmt, und dem auch die öffentliche Anhörung zum Gefahrtiergesetz zum Opfer gefallen ist, ist eine dieser zahlreichen Zoonosen, die von Wildtieren auf den Menschen übergegangen ist. Der Ursprung liegt wahrscheinlich auf den Wildtiermärkten in China. Durch den Rückgang der natürlichen Lebensräume, sowie durch den steigenden direkten Kontakt zwischen Wildtieren und Menschen, werden Zoonosen immer häufiger. Weitere Pandemien in Ausmaß des Coronavirus sind also auch in Zukunft sehr wahrscheinlich. Schon aus diesem Aspekt heraus, so betont Seiler, ist es essentiell, den direkten Kontakt zwischen Wildtieren und Mensch zu minimieren. Dazu gehört, neben dringenden Maßnahmen zum Stopp des Rückgangs des natürlichen Lebensraumes der Tiere, auch ein Stopp des Haustiermarktes, ein Stopp von Touristenangeboten mit Wildtieren, und generell ein verantwortlicher Abstand zu Wildtieren im Urlaub sowie Zuhause. So sieht man in der aktuellen Ausnahmesituation sehr deutlich, wie wichtig es ist, den Aspekt der Zoonosen zu bedenken, wenn es um die Gesetzeslage zur Haltung von exotischen Tieren geht.

Der ETN setzt sich seit Jahren gegen den Trend ein, exotische Tiere als Haustiere zu halten. Insbesondere die über die sozialen Medien verbreiteten Videos von vermeintlich süßen Interaktionen von exotischen (Säuge-)tieren und Menschen suggerieren, dass exotische Arten sich gut als (coole) Haustiere eignen. Hier wird ein bisher unterschätzter Bedarf geweckt, dem Menschen leider vermehrt auch nachgehen. Folge ist ein florierender (oft illegaler) Handel mit den Tieren, der auch den Fortbestand von Arten in freier Wildbahn gefährdet und diverse weitere Probleme mit sich bringt, die in der Stellungnahme des ETN thematisiert werden.

Neben der Problematik des Artensterbens durch den illegalen Handel und dem folgenden möglichen Kollaps ganzer Ökosysteme, sieht der ETN das mangelnde Fachwissen zur Haltung von exotischen Tierarten kritisch. Dies betrifft sowohl Tierarztpraxen, Fachhandel, Tierheime, Auffangstationen, Tierbörsen als auch Zoofachgeschäfte. Seiler gibt zudem zu bedenken, dass es bei vielen Arten gar nicht möglich sei, sie artgerecht zu halten: „Viele Arten sind noch nicht ausreichend in freier Wildbahn erforscht um entsprechende Haltungsempfehlungen zu entwickeln“. Sie betont, dass gestresste und kranke Tiere auch immer eine erhöhte Gefahr für Menschen darstellen – ob durch physische Reaktionen oder Zoonosen.

Als weiteres Problem sieht der ETN die mangelnden Unterbringungsmöglichkeiten für Abgabetiere. „Das ist schon für die gängigen Haustierarten ein großes und kostspieliges Problem. Für exotische Tierarten aber gibt es nur eine Handvoll Auffangstationen, denen es an den Ressourcen fehlt, um exotische Tierarten im größeren Maßstab aufnehmen zu können. Werden Tiere daher von ihren Besitzer*innen ausgesetzt, gehen sie elendig zugrunde, oder entwickeln sich im Zweifelsfall zu einer neuen invasiven Art, die das heimische Ökosystem bedrohen kann“, so Seiler.  

Die komplette Stellungnahme des ETN e.V. ist hier einzusehen.

Kontakt:

Dr. Melanie Seiler

02245/619024

m.seiler@etn-ev.de

 

 

 

 

Europäischer Tier- und Naturschutz e. V.
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