Einsatz 

 für 

 bedrohte Arten  

Gebäudebrüter schützen: Hausspatzen retten!

Wer jetzt genau hinsieht, wird feststellen, dass vielerorts die Haussperlinge damit beschäftig sind, Nistmaterial zu suchen und in die Nester unter den Hausdächern einzutragen.

Haussperlinge (Passer domesticus), auch Spatzen genannt, sind seit über 10000 Jahren Kulturfolger des Menschen. Sie nisten in den Ställen, in Industieanlagen, in Flughäfen und Shopping Malls, unter den Dächern und in Nistkästen. Die geselligen kleinen Vögel bauen häufig Gemeinschaftsnester mit anderen Paaren und die Jungen werden von der Gemeinschaft großgezogen, sollte den Eltern etwas geschehen. Selbst ältere Geschwister beteiligen sich an der Fütterung der Jüngeren. Ihre Nahrung besteht aus Sämereien von Gräsern und Kräutern, aber auch von kultivierten Getreidearten. Die Jungen werden ausschließlich mit kleinen Insekten aller Entwicklungsformen gefüttert.

In den Städten nehmen Spatzen als Opportunisten auch mit dem vorlieb, was die Menschen an Nahrung liegenlassen. So finden sich immer lärmende Horden von Spatzen in der Nähe von Imbissbuden und Außengastronomien ein.

Jahrtausende waren die Spatzen enge Begleiter des Menschen und sie sind sogar von den europäischen Siedlern, wohl aus Heimweh in Amerika eingebürgert worden.

Man findet Spatzen ebenso in der Bibel erwähnt als auch in Gedichten und Geschichten der Literaturschaffenden. Selbst der römische Dichter Catull hat dem Spätzchen seiner Geliebten ein Gedicht gewidmet. Mancherorts hat die Mundart eigene Bezeichnungen für Spatzen entwickelt, so z.B. „Mösch“ im Rheinländischen oder „Lünk“ im Norddeutschen.

In der neueren Zeit nehmen die Bestände der Spatzen stark ab, mittlerweile stehen die einst so häufig vorkommenden Haussperlinge auf der Vorwarnliste der Roten Liste. In einigen Gegenden sind Spatzen praktisch von der Bildfläche verschwunden. Das hat mehrere Ursachen: zunächst fehlt oft die Nahrung- dort wo z.B. Hühner gehalten werden und die Gärten und Umgebung naturnahe und frei von Pestiziden sind finden sich häufiger Spatzen ein als in Gegenden mit sterilen Gärten und Ziergehölzen. Auf den Feldern werden Kräuter und Insekten weggespritzt und effektiv arbeitende Erntemaschinen lassen kaum noch etwas übrig.

 Im Zuge der energetischen Gebäudesanierungen werden Spatzennester unter den Dächern einfach entfernt und zugemauert. Was übrigens streng verboten ist und geahndet werden kann. Die Nistmöglichkeiten müssen nach Renovierungen wieder hergestellt werden, so will es das Bundesnaturschutzgesetz. Zudem dürfen die Nester nicht während der Brutzeit entfernt werden- eine Praxis, die leider allzu häufig ist. Weiß man um die Spatzen unterm Giebel, muss man das terminlich einplanen und ggf. zusammen mit der Unteren Naturschutzbehörde einen Plan vor der Renovierung erstellen. Wir bekommen jedes Jahr dutzende heimatlos gewordene Spatzenkinder aus Gebäuderenovierungen. Ich möchte nicht wissen, wie viele Vögelchen zum Sterben einfach samt Nest von den Handwerkern in den nächsten Baum gesteckt werden. Sie werden dort nicht weiterversorgt, sind dem Wetter schutzlos ausgeliefert, denn die Eltern werden die Kinder immer nur am angestammten Nistplatz unter dem Dach suchen. 

Fallen diese Nistmöglichkeiten dann weg, verringert die örtliche Population sich dadurch.

Auch viele Hauskatzen bedeuten ein ernsthaftes Problem. In Gegenden mit hoher Katzendichte wird nahezu die Hälfe des Spatzennachwuchses erbeutet.

Man muss aber nicht in ländlicher Idylle leben, um die Ansiedlung von Spatzen zu fördern. Zunächst schauen wir uns die Nistmöglichkeiten an: können Spatzen unter die Dachschindeln gelangen und ihre Nester in der Dachschräge bauen? Ist das nicht der Fall, kann man mit speziellen Spatzenreihenhäusern, die unters Dach an die Wand montiert werden, nachhelfen. Bei Neubauten oder Dachsanierungen kann man von vorne herein Einbaubrutkästen für Gebäudebrüter einplanen. Sie gibt es als fertige, teilweise wärmegedämmte Fertigelemente, manche sogar mit Nestkamera und Öffnung zum Reinigen. Das Internet hält viele Angebote und Informationen dazu bereit. Somit hätten wir schon mal der Wohnungsnot der kleinen Gefiederten entgegengewirkt.

Nun betrachten wir uns den Garten: Spatzen lieben dichte Gebüsche und Sträucher, in denen sie sich schnell verstecken können, sollte der Sperber einmal vorbeigeflogen kommen. Am besten eignen sich heimische Gewächse, die Versteckmöglichkeiten, aber auch Insekten aller Art bieten. Weißdornsträucher sind ebenso beliebt wie eine Hainbuchenhecke. In einer Kirschlorbeerhecke finden Vögel kaum Schutz und Nahrung. Der Rasen darf ruhig ein wenig ungepflegt sein und Gänseblümchen, Löwenzahn sowie andere Kräuter beherbergen. Die Samen davon sind eine gute Nahrungsquelle für allerlei Vögel. Eine Wildblumenecke wäre schön und eine Plätzchen, wo das Gras Samen bilden darf. Diese natürlichen Bepflanzungen bieten Nahrung in Hülle und Fülle für Spatz und andere. Eine Möglichkeit für ein Staubbad sollte es auch geben. Der feine Staub entfernt Parasiten aus dem Federkleid. Am besten ist ein sonniges, geschütztes Plätzchen, wo es keinen Bewuchs sondern nur nackte Erde gibt. Insofern ist der berühmte Dreckspatz ein gesunder Spatz. Aber auch ein Wasserbad mögen Spatzen, darin wird gebadet, dass es nur so spritzt. Eventuell darf im Futterhaus ganzjährig beigefüttert werden. Man erwirbt am besten eine Mischung aus dem Vogelfachhandel mit feinen Wildsämereien für heimische Körnerfresser. Diese schädigen dann auch nicht die Jungen, die an einem Zuviel von Fettflocken, Erdnüssen und Sonnenblumenkernen versterben können, wenn sie damit gefüttert werden.

Es kommt ab und an vor, dass im Sommer plötzlich ein nacktes oder unzureichend befiedertes Spatzenkind hilflos auf dem Boden vor dem Haus liegt. Wahrscheinlich ist es durch das Gewusel im Nest herausgestürzt. Kann man es nicht zurücklegen, muss es wohl mit der Hand aufgezogen werden. Als Erste Hilfe Maßnahme sollte das Vögelchen schnellstens auf eine Wärmflasche, einem erhitzen Körnerkissen oder auf einen mit 38°C warmen Wasser gefüllten Einmalhandschuh gelegt werden. Bitte die Wärmezufuhr überprüfen, es muss an Ihrer Hand angenehm warm sein. Der Vogel darf nicht hecheln, denn sonst ist ihm zu warm. Rotlicht ist kontraproduktiv, da es den kleinen Vogel sehr schnell austrocknet und in Lebensgefahr bringt. Legen sie das Vogelkind niemals in die Sonne zum Aufwärmen, denn es kann sich unkontrolliert erhitzen und seine Haut einen Sonnenbrand bekommen! Ein gut gewärmtes und gesundes nacktes Spätzchen hat eine rosa, gut durchblutete Haut. Am besten suchen Sie sich jetzt Hilfe bei einer Auffangstation, da das Spätzchen bald artgerecht gefüttert und in professionelle Hände gebracht werden muss. Folgen Sie unbedingt den Anweisungen der Station und füttern Sie nichts ohne Absprache, da das Verdauungssystem Ihres Findlings sehr empfindlich ist. Wenn Sie ein größeres, schon befiedertes Spatzenkind gefunden haben, das schon ein wenig flattern und auf beiden Beinen stehen kann, können Sie es am Fundort vom Boden auf einen erhöhten Platz setzen. Von dort wird es von seinen Eltern versorgt und beschützt. Das sollten Sie beobachten. Kommen die Eltern nicht, muss auch dieses Vögelchen in eine Auffangstation gebracht werden.

Wie gesagt, ein kleiner Spatz benötigt vielfältige frischtote Insekten aller Art und die kann man nur im speziellen Fachhandel erwerben. Zusammen mit anderen kleinen Spatzen wird ihr Findling dann in einem Inkubator großgezogen, bis er genügend wärmende Federn hat und selber fressen kann, um in eine Auswilderungsvoliere umziehen zu können. Von dort wird er mit anderen Spatzen in einer Gruppe ausgewildert, denn nur zusammen sind Spatzen stark und haben gute Überlebenschancen.

Es kann gut möglich sein, dass das kleine Fundvögelchen Sie verzaubert hat und Sie es gerne selber aufziehen möchten. Davon möchte ich lieber abraten. Das kleine Spätzchen wird dadurch sehr zahm werden und nicht mehr auswilderungsfähig sein. Sie und ihre Familie werden sein Mittelpunkt im Leben sein. Somit hätten Sie für die nächsten 10 Jahre ein Familienmitglied, das nicht in einem Käfig wohnen möchte, Ihr Leben auf den Kopf stellt, mit in den Urlaub fahren will, weil es nicht ohne seine Familie sein kann und am Frühstückstisch das erste ist, das in Ihr Marmeladenbrot beißt.

Fördern Sie die Ansiedlung von Spatzen, denn sie sind sehr wichtig für ein gesundes Ökosystem. Freuen Sie sich an den munteren, geselligen und klugen Vögelchen mit ihrem aktiven Gemeinschaftsleben, sie sind immer gut für kurzweilige Beobachtungen.

 

Wussten Sie…

dass Spatzen immer wieder durch den Menschen als Schädling verfolgt wurden? Mit Einsicht handelte Friedrich der Große, als er zunächst ein Kopfgeld über die Vögel aussprechen ließ, um die Felder vor den Spatzen zu schützen. Das wurde von ihm schnell wieder abgeschafft, als sich dadurch eine Insektenplage ausbreitete.

Mao Tzedong war nicht so schlau. Mao hörte nicht auf Experten, er diskutierte nicht, er wusste nichts über Spatzen. Als Ernteschädling abgestempelt, wurde der Spatz zur Vernichtung freigegeben. Mao ließ sein Volk drei Tage ununterbrochen Lärm machen und die Vögel am Landen hindern, bis es tote Spatzen regnete. Nach drei Tagen war der Spatz in China praktisch ausgerottet. Was dann folgte, war eine Hungersnot biblischen Ausmaßes. Etwa 45 Mio. Menschen starben daran. Heuschreckenschwärme von apokalyptischen Größen bedeckten alles, vernichteten jegliches Grün. Bis heute haben sich die Spatzenbestände in China nicht erholt.

 

 

 

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