Einsatz 

 für 

 Exotische Tiere 

Frettchen – süß und klein heißt nicht gleich geeignet

„Hund, Katze, Wellensittich, Goldfisch – Tiere, die viele Menschen Zuhause halten. Aber wie wäre es mit einem Haustier, das nicht jeder hat? Zum Beispiel einem Frettchen?“, heißt es auf einer Internetseite, die Tipps zur Frettchenhaltung gibt. Sicher sind Frettchen außergewöhnliche Haustiere. Aber lohnt es sich, sich für eines zu entscheiden, einfach nur, weil es mal etwas Anderes ist?

Sie sehen ja schließlich ganz klein, verspielt und niedlich aus. Und das sind auch die Gründe, die viele Menschen dazu animieren, sich einen dieser kleinen Racker anzuschaffen. Und wenn sie so süß und aufgeweckt auf den Fotos aussehen, dann sind sie doch bestimmt tolle und lustige Haustiere, oder?

Tatsächlich sieht die Realität anders aus. Wer sich ein Frettchen zulegt, muss sich auf sieben bis zehn Jahre Pflege einstellen, in denen er sich intensiv darum kümmert. Und gerade, wenn sie in Gefangenschaft gehalten werden, ist es gar nicht unwahrscheinlich, dass die Kleinen unter ernsthaften Krankheiten, wie Tumoren, Allergien oder hormonellen Ungleichgewichten leiden.

Zunächst einmal müssen Frettchen einem strengen Ernährungsplan folgen. Mindestens 80% der Nahrung müssen aus frischem Fleisch bestehen und der kleine Magen der Frettchen will alle zwei bis drei Stunden, am liebsten mit Hühnerherzen oder dergleichen, gefüllt werden.

Außerdem sind Frettchen nie zu 100% stubenrein. Wer denkt, er könnte dem aus dem Weg gehen, indem er sie einfach in einem Käfig hält, liegt weit daneben. Denn den Platz, den Frettchen dank ihres ausgeprägten Bewegungsdranges brauchen, kann ihnen kein Gehege bieten. Da müssen sie schon, ähnlich wie Katzen in der gesamten Wohnung Auslauf bekommen. Da sei aber Vorsicht geboten, denn dann müssen Pflanzen, bzw. deren Töpfe vor Buddeln geschützt, Fenster und Möbelspalten vergittert und alles Zerbrechliche weggesperrt werden. Und auch alles, was für die Menschen Genussmittel sind, muss außerhalb der Frettchenreichweite sicher verstaut werden: Also Süßigkeiten, oder alkoholische Getränke, Gewürze, oder alles, was Frettchen besser nicht anknabbern sollten. Dazu zählen auch Hygieneartikel, Wasch- und Spülmittel oder Medikamente.

Und auch die Haltung in der Wohnung reicht den kleinen Rabauken oftmals nicht aus. Regelmäßige Spaziergänge mit entsprechenden Gurten und Leinen sind da das mindeste, was ein Besitzer tun kann. Dass Frettchen natürlich keine Hunde und damit auch nicht leinenführig sind sollte dabei aber jedem klar sein.

Und diese Ansprüche kommen nicht bloß einmal – Frettchen müssen nämlich immer mindestens zu zweit gehalten werden. Sonst entwickeln sie zum Beispiel Bissigkeit oder andere Verhaltensauffälligkeiten. Und Spielen und Herumtollen ist dann vielleicht doch nicht mehr so witzig, wenn das eigene Haustier auf einmal anfängt zu schnappen.

Und was auf Fotos und Videos im Internet natürlich auch nicht ersichtlich wird: Frettchen stinken. Und zwar besonders, wenn sie nicht kastriert sind. Grund dafür sind größtenteils ihre Analdrüsen, die ein übel riechendes Sekret absondern. Aber auch eine Kastration behebt dieses Problem nicht wirklich und bringt außerdem das Risiko mit sich, dem Frettchen eine Nebennierenerkrankung und Tumorbildung zu bescheren. Selbst wenn die Wohnung ständig geschrubbt und gesäubert wird, wird der Geruch nie von den Frettchen selbst verschwinden. Und da hilft auch baden, bürsten und kastrieren nichts.

Den Gang zum Tierarzt kann man sich als Frettchenhalter aber trotzdem nicht sparen, egal ob man nun zwei Rüden, zwei Fähen oder ein Pärchen hält. Werden die Rüden nicht kastriert, sind sie nämlich sogar noch anfälliger für Bissigkeit. Und die Fähen kommen häufig, wenn sie nicht kastriert sind, in die sogenannte Dauerranz. Das ist eine Krankheit, die einen Östrogenüberschuss zur Folge hat, der für Fähen sehr gefährlich ist und meist zum Tod derer führt. Kastriert müssen die Frettchen also definitiv werden.

Und trotz alledem bekommt man als Besitzer wohl nie die gleiche Resonanz, wie man sie als Katzen- oder Hundebesitzer kennt. Denn Frettchen sind häufig nicht einmal annähernd so menschenbezogen.

Wer also dachte, Frettchen seien leicht zu unterhaltende und ideale Haustiere, der sollte sich überlegen, was er macht, wenn er den Tieren nicht gerecht werden kann und sie mit nicht artgerechter Haltung oder zu wenig Beschäftigung zu verhaltensgestörten, kranken und bissigen Zeitgenossen macht.

Unterstützen Sie uns bei unserem Einsatz gegen exotische Tiere in Haushalten: durch Ihre Spende!

 

Foto: shutterstock.com / julie deshaies

Europäischer Tier- und Naturschutz e. V.
Todtenmann 8 · 53804 Much
Tel +49 (0)2245 6190-0
Fax +49 (0)2245 6190-11
info@etn-ev.de

Spenden Sie auf unser Bankkonto
bei der Kreissparkasse Köln
IBAN: DE22 3705 0299 0007 0070 06
BIC: COKSDE33XXX

Magazin RespekTIERE

Newsletter