Einsatz 

 für 

 Exotische Tiere 

Hintergrund

Ein süßer Lemur, der sich kraulen lässt; der Lori (eine Halbaffenart), der scheinbar verzückt einen Klumpen Reis verputzt oder einen kleinen Papierregenschirm hält; Waschbären, die Zuckerwatte beim Versuch diese unter dem Wasserhahn zu säubern „verwaschen“. Putzig, nicht? 

Jeder Tierliebhaber wird sicherlich schon mal an diesen Videos hängen geblieben sein, ganz verzückt von der niedlichen Interaktion zwischen Wildtier und Mensch. Den Tieren geht es ja offensichtlich gut, wo ist also das Problem? 

Über soziale Medien werden in den letzten Jahren in rapider Zahl vermeintlich süße Tiervideos von exotischen Tieren in Interaktion mit Menschen gezeigt. Leider werfen diese oft millionenfach geteilten Videos von putzigen Wildtieren in Menschenobhut die Bemühungen von Naturschutz-Organisationen, Arten in freier Wildbahn zu schützen, und den Menschen zu vermitteln, dass exotische Tiere keine guten Haustiere sind, um Jahre zurück. Ein riesiges Problem, das hier mit Verbreitung der sozialen Medien aufgekommen ist – wir alle lieben doch süße Tiervideos, was kann daran schon falsch sein? Ohne weiter darüber nachzudenken werden so immer wieder Videos von diversen süßen Wildtieren millionenfach geteilt und geliked.

Leider vermitteln diese immer beliebter werdenden Bilder und Videos den Eindruck, dass alle möglichen Arten von vom Aussterben bedrohten Arten sich ganz fantastisch als Haustier machen würden. So zeigt eine Studie von 2011, dass Menschen eher dachten, dass Schimpansen tolle Haustiere wären, wenn sie zuvor Bilder gesehen hatten, auf denen ein Schimpanse neben einem Mensch stand.

Insbesondere am Fall des kritisch bedrohten Zwergloris ist der verheerende Effekt diese Videos gut belegt. War er vorher keinem Menschen bekannt, stieg die Popularität der Art nachdem erste „süße“ Videos der Art im Internet Millionenfach angeschaut wurden, immens.

Eine Social Media Studie von 2013 verdeutlichte, dass ganze 10% von 12.000 Kommentaren, die auf ein verbreitete Video eines Zwergloris aus dem Jahr 2009 gemacht wurden, erwähnten, dass sie auch einen Zwerglori als Haustier wollten. Waren diese Tiere zuvor den wenigsten Menschen bekannt, mauserten sie sich nun zu echten Internet-Stars. Leider mit der Folge, dass eine gewaltige Welle an Nachfrage der sowieso dank Habitatzerstörung schon stark bedrohten Art als Haustier folgte, und immer mehr Tiere illegal aus ihrem natürlichen Habitat heraus gefangen wurden – und so die Art nun kurz vor dem Aussterben steht.

Damit die Loris sich als „gute Haustiere“ eignen, werden ihnen die Zähne schmerzhaft abgeknipst – denn was viele nicht wissen ist, dass Loris Giftdrüsen unter den Armen haben, die sie zur Abwehr oder zur Jagd ablecken und das Gift dann mit einem Biss übertragen. Das ist auch der Grund dafür, dass die Tiere in den vermeintlich süßen Videos so oft ihre Arme über den Kopf heben – ein eindeutiges Zeichen für den Stress, indem sich die Tiere befinden. In freier Wildbahn sind Zwergloris nachtaktiv und bewegen sich ausschließlich auf Bäumen. Niemals würden sie einen Ast loslassen, auch deswegen halten sie auf so „niedliche“ Weise Regenschirme oder Gabeln fest. Kurz und gut: Es handelt sich hier um eine Art, die dank Social Media nun erst recht vom Aussterben bedroht ist, und die sich ganz und gar nicht als Haustier eignet.

Aber auch andere Wildtiere sind von dieser Problematik betroffen – besonders häufig kleinere Affenarten, wie zum Beispiel die insbesondere in China sehr beliebten Zwergseidenäffchen, oder Marderhunde, die zwar domestizierten Hunden ähneln, aber Wildtiere sind und sich entsprechend verhalten. Generell werden viele dieser süßen wilden Haustiere illegal als Baby aus der freien Wildbahn gefangen – ein für die Babys traumatischer Vorgang, bei dem sehr häufig die Mütter und weitere Gruppenmitglieder getötet werden. Doch auch wilde Tiere, die in Menschenobhut nachgezüchtet wurden, eignen sich selten als Haustier.

Zumeist ist es nicht nur verboten, Wildtiere als Haustiere zu halten, vielmehr machen sich Wildtiere auch schlecht in Menschenobhut. Viele Halter sind sich nicht bewusst, wie sie ihr wildes Haustier artgerecht versorgen können, bieten ihm zu wenig Auslauf, Beschäftigung, und füttern es falsch. Auch sind wilde Tiere durch die Nähe zum Menschen oft völlig neuen Keimen ausgesetzt. Durch die falschen Haltungsbedingungen werden viele Tiere schwer krank. So sind viele Tiere, die man auf den beliebten Videos sieht, auffallend verhaltensgestört, unterernährt oder verfettet, oder sichtbar krank (gut zu erkennen am oft schlechten Fell). Erreichen sie trotzdem das Erwachsenenalter, werden die Tiere oft durch die schlechten und falschen Haltungsbedingungen aggressiv gegenüber ihren Haltern – spätestens hier „entledigen“ sich diese ihres wilden Weggefährten. Oft nur an die Gesellschaft von Menschen gewöhnt, sind diese Tiere aber nicht mehr mit Artgenossen zu sozialisieren, und fristen, wenn sie denn nicht im Auftrag des Halters sowieso schon eingeschläfert wurden, ihr restliches Leben in Einzelhaltung in einer Auffangstation oder in einem Zoo. Halter sind sich dessen zumeist nicht bewusst – wird ein Wildtier von klein auf vom Menschen großgezogen, gibt es keinen Weg zurück für dieses Tier! Denn auch Tiere müssen das „richtige“ Sozialverhalten gegenüber Artgenossen als Jungtiere erlernen.

Wenn Sie also über eins dieser vermeintlich niedlichen Videos von Wildtieren stolpern, widerstehen Sie bitte dem Impuls, es anzusehen, oder gar es positiv zu kommentieren und noch weiter zu verbreiten. Stattdessen, helfen Sie uns diese Zustände zu ändern!

 

 

Europäischer Tier- und Naturschutz e. V.
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